ZVEI fordert mehr Investitionen in die Gesundheitswirtschaft

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19.06.2008

ZVEI fordert mehr Investitionen in die Gesundheitswirtschaft

Jahrestagung Fachverband Elektromedizinische Technik im ZVEI

Die deutsche Medizintechnik-Industrie wächst weiterhin überwiegend im Ausland. Von Stagnation seit mehreren Jahren spricht die Branche für das Inland. „Auftragseingänge und Umsatz in Deutschland im ersten Quartal 2008 haben allerdings mit teilweise zweistelligen Steigerungen neue Hoffnungen geweckt“, erklärte Jochen Franke, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Elektromedizinische Technik, anlässlich der Fachverbands-Jahrestagung. „Sie müssen sich im Jahresverlauf aber erst noch bestätigen.“

Der Absatz moderner Medizintechnik in Deutschland entwickle bisher trotz international anerkannter Produktqualität keine anhaltende Dynamik, betonte Franke. Hemmnisse für die Investitionstätigkeit im Medizintechniksektor seien primär die Finanzschwäche öffentlicher Kliniken aufgrund überlasteter öffentlicher Haushalte. Hinzu komme eine aufwändige und wenig transparente Aufnahme neuer Produkte und Verfahren in den GKV-Leistungskatalog und damit in die Regelvergütung. „Die politischen Entscheidungsträger in Deutschland müssen endlich erkennen, dass in der Modernisierung der Gesundheitsinfrastruktur der Schlüssel zum Ausbau eines internationalen Leitmarkts für Gesundheit und Medizintechnik liegt“, forderte Franke. Das Gesundheitssystem in Deutschland sei aber durch eine anhaltende Unterfinanzierung im Bereich der Investitionsgüter gekennzeichnet.

Bei der Bewertung der rückläufigen Inlandsumsätze im Jahr 2007 gegenüber 2006 von minus 12,7 Prozent muss man allerdings einen kräftigen Basiseffekt berücksichtigen. Ursachen eines Vorzieheffekts zum Jahresende 2006 waren ein vorübergehend erhöhtes Steueraufkommen und die Mehrwertsteuererhöhung. Außerdem zeigt sich im Markt eine zunehmende Zurückhaltung bei hohen Einmalinvestitionen. Der Umsatzrückgang im Jahr 2007 entsprach deshalb der Erwartung des Fachverbands. Der Mehrjahrestrend von 2005 bis 2007 fällt hingegen mit einem Umsatzrückgang von 1,08 Mrd. Euro auf 1,05 Mrd. Euro moderater aus. Auf das größte Segment Bildgebende Diagnostik entfielen 2007 gut 440 Mio. Euro Umsatz und auf den Sektor Medizinelektronik knapp 320 Mio. Euro.

Der Export hingegen findet bei Schnittbildverfahren und Ultraschalldiagnosegeräten wesentlich günstigere Marktbedingungen vor. Diese Gerätegruppe ist im Ausland mit jeweils plus fünf Prozent in den vergangenen beiden Jahren erkennbar gewachsen. Umsatz-Zuwächse von 18 Prozent auf 7,1 Mrd. Euro von 2005 bis 2007 verzeichneten Patientenüberwachung, Anästhesie und diverse therapeutische Anwendungsfelder an Gesundheitsstandorten im Ausland.

Für Deutschland sieht der Fachverband noch erheblichen Nachholbedarf. Die zentrale Informationsveranstaltung im Rahmen der diesjährigen Fachverbands-Jahrestagung am 19. Juni 2008 in Berlin beschäftigt sich deshalb mit der übergeordneten Marktentwicklung und der zentralen Bedeutung von Neuentwicklungen. Unter dem Titel „Gesundheitswirtschaft in Deutschland – Wandel durch Technologie und Innovation?“ diskutieren Vertreter von Politik, Krankenkassen und Industrie, ob die Potenziale für den notwendigen Wandel der Gesundheitswirtschaft erkannt und endlich genutzt werden.